125 Jahre Humanität im Kanton Graubünden

Geschichte des Roten Kreuzes Graubünden

1892 legen engagierte Bündnerinnen und Bündner den Grundstein für die langjährige Tätigkeit des Roten Kreuzes im Auftrag der Menschlichkeit in Graubünden. Pflichtgefühl, Aufklärung und humanitäre Anliegen sind die treibenden Kräfte hinter der Gründung des Roten Kreuzes im Kanton Graubünden.

Am 24. Oktober 1892 wird der «Bündner Samariterverein» als Rotkreuz-Zweigverein in Chur gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehören die namhaften Persönlichkeiten Dr. Emil Köhl, Gründer des Stadtspitals (Kreuzspital) sowie Anna von Planta, die Stifterin des Frauenspitals Fontana. Der Verein zählt bei der Gründung stolze 535 Mitglieder.

Armut bekämpfen

Die bittere Armut in weiten Teilen Graubündens ist für viele Privatpersonen und Gemeinden Motivation, sich den Zielen des Roten Kreuzes anzuschliessen. Viele Gemeinden zeigen ein grosses Interesse an der Einrichtung von Krankenmobilien-Magazinen. Arme Mitbürger können sich dort bei Krankheit oder anderen Notsituationen mit Wäsche und Verbandsmaterialien eindecken. Der Unterhalt und die Aufstockung der Magazine obliegen den lokalen Samariter-Sektionen des Roten Kreuzes.

Aufklärung für die Volksgesundheit

Die Verbreitung von Lehren über Gesundheit und Krankenpflege ist ein grosses Anliegen der Gründungsmitglieder. Abgelegene Täler und das Fehlen von Ärzten für die Kursleitung vor Ort erschweren anfänglich den Aufbau eines Kurswesens im Kanton Graubünden.

Nach und nach gelingt es, regelmässig Kurse und Vorträge zu gesundheitsrelevanten Themen durchzuführen: Pflege zu Hause, Säuglingspflege, Tuberkulose, Zahnhygiene, Alkoholismus, etc. Das Rote Kreuz Graubünden leistet einen wichtigen Beitrag an die Volksgesundheit im Kanton.

Das Interesse der Bevölkerung an Kursen im Hauspflegebereich steigt insbesondere in den Jahren zwischen den Weltkriegen enorm an. 1932 wird in Valendas ein Kurs über Krankenpflege zu Hause gar doppelt geführt, da sich 56 Frauen anmelden.

Die Bündner Bienen

1897, nur fünf Jahre nach der Gründung des Roten Kreuzes in Graubünden, wird die Frauenorganisation «Bündner Bienen» ins Leben gerufen. Der Zweck besteht in der Wohltätigkeit für arme Kranke. Jede Biene ist dazu aufgerufen, mindestens zwei Wäschestücke zugunsten Bedürftiger pro Jahr anzufertigen.

Im Zweiten Weltkrieg verteilen die Bündner Bienen Auftragsarbeiten des Schweizerischen Roten Kreuzes. Dies sind Strickaufträge oder Zuschneide-Arbeiten für die Armee.  Die Bündner Bienen schaffen mit diesen Aufträgen willkommene Einkommensmöglichkeiten für Frauen in Graubünden. Nach dem Zweiten Weltkrieg lösen sich die Bündner Bienen auf.

Die Samariter werden unabhängig

1936 werden die Samaritervereine im Kanton eigenständige Kollektivmitglieder des Roten Kreuzes Graubünden. 1975 vereinigen sie sich zu einem Kantonalverband und schliessen sich dem Schweizerischen Samariterbund SSB an. Sie nehmen bis heute wichtige Aufgaben bei der Unterstützung der Not- und Katastrophenhilfe im Kanton Graubünden wahr.

Neue Aufgaben nach 1945

Während die Schweiz nach dem Zweiten Weltkrieg eine Phase mit starkem Wirtschaftswachstum und tief greifenden gesellschaftlichen Veränderungen durchläuft, nimmt das Schweizerische Rote Kreuz immer mehr zivile Aufgaben wahr. Es entstehen neue Formen der Freiwilligenarbeit. Gleichzeitig tritt der historische Auftrag, die Unterstützung des Sanitätsdienstes der Armee, mehr und mehr in den Hintergrund.

Das Rote Kreuz Graubünden schliesst sich der Neuorientierung des Schweizerischen Roten Kreuzes an. Hilfe und Unterstützung für die Bündner Bevölkerung sind die künftigen Aufgaben der kantonalen SRK-Sektionen.

Kinderhilfe

Im Zweiten Weltkrieg wird die Schweiz zum Zufluchtsort für bedrohte Menschen. Die Kinderhilfe wird zu einer wichtigen humanitären Aufgabe. Zu ihr gehört auch die Tragik, dass vom Tod bedrohte jüdische Kinder während des Krieges von der Hilfe ausgeschlossen waren.

Auch in Graubünden ist man froh, nach den schwierigen Kriegsjahren mit einer aktiven und «segensreichen Tätigkeit» die Schrecken des Krieges mindern zu können. Bis in die 1980er Jahre ist die Unterstützung und Begleitung kriegsgeschädigter, später kranker oder benachteiligter Kinder zu Erholungsaufenthalten ein wichtiges Aufgabengebiet.

Blutspende

Das Rote Kreuz Graubünden ist für den Aufbau der Blutspendezentren im Kanton verantwortlich. Der Aufbau ist nicht zuletzt wegen Infektionskrankheiten wie AIDS eine grosse Herausforderung.

2001 wird der Regionale Blutspendedienst Graubünden eine eigenständige Stiftung.

Pflegehelfer/-in SRK und Gesundheitsförderung

Das Schweizerische Rote Kreuz ist massgeblich am Aufbau und der Entwicklung der professionellen Krankenpflegeausbildung in der Schweiz beteiligt.

Im Kanton Graubünden werden 1963 die ersten Spitalhelferinnen ausgebildet. Daraus entsteht die heutige anerkannte Ausbildung Pflegehelfer/-in SRK. Ausserdem bietet das RKG verschiedene Kurse im Bereich Gesundheit für Laien an und knüpft damit an die Tradition der Gesundheitsförderung und Prävention an. In den 1980er Jahren beteiligt sich das RKG beim Aufbau der spitalexternen Pflege- und kantonalen Spitalplanung in Graubünden.

Flüchtende

1956 treffen Flüchtende aus Ungarn ein, kurz darauf aus dem Tibet. Das Rote Kreuz Graubünden begleitet die Familien bei der Integration. Das Engagement für Flüchtende wird zu einer festen Aufgabe des RKG. Zwischen 1994 und 2000 betreut das Rote Kreuz Graubünden anerkannte Flüchtende aus dem Balkankrieg im Auftrag der Behörden.

Seit 125 Jahren mit aller Kraft für mehr Menschlichkeit

Seit 125 Jahren vertritt das Rote Kreuz Graubünden die Interessen von Menschen, die auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sind oder die von Armut oder Ausgrenzung bedroht sind.

Mit rund 600 Freiwilligen, die sich tagtäglich für ihre Mitmenschen engagieren, 13‘500 Mitgliedern und 60 Mitarbeitenden ist das Rote Kreuz Graubünden heute die grösste humanitäre Non-Profit-Organisation im Kanton Graubünden.

© Fred Mayer, Zürich